• Susanne Bilz

Abgang einer Powerfrau



Abgang einer Powerfrau

Unter diesem Titel veröffentlichte der Spiegel in seiner jüngsten Ausgabe einen Bericht zu Sheryl Sandbergs Abschied von Facebook. Dabei stellt der Autor unter anderem die These in den Raum, die mächtigste Frau des Silicon Valley sei an sich selbst gescheitert und wirft gleichzeitig die Frage auf, ob die ‚Jungs‘ um Mark Zuckerberg nun gesiegt hätten.

Schon die ersten Sätze dieses Bericht irritieren mich sehr und im Folgenden hält mich nur mein Engagement für die Sache vom Weiterblättern ab. Denn, wie wir alle wissen, ist es bei Themen wie Empowerment, Diversity und Gleichberechtigung immer wichtig, sich mit Meinungen und Ansichten anderer auseinanderzusetzen, auch wenn diese als äußerst fragwürdig beurteilt werden können. Statt also Sandbergs Leistung als Spitzenmanagerin zu würdigen, was nach 14 Jahren bei einem der Global Player angemessen wäre, konzentriert sich der Autor auf Vermutungen und Spekulationen hinsichtlich der Meta-Strukturen. Er scheint dabei immer wieder darauf aufmerksam machen zu wollen, dass Sandberg eine Frau sei, die sich scheinbar nicht durchsetzen konnte, anstatt sich auf die sachlichen Aspekte zu konzentrieren.

Für’s Protokoll: Sandberg kam als erfahrene Top- Managerin zu Facebook als das Start-Up noch in den Kinderschuhen steckte. Als Chief Operating Officer war sie für die operative Umsetzung der Entscheidungen der Unternehmensführung verantwortlich. Sie war der Motor, nicht der Lenker und wer kann sagen, ob es nicht an ihr lag, dass sich Zuckerberg bis heute nicht in die Gruppe der ‚Mond-Flieger‘ eingereiht hat. Objektiv betrachtet lässt sich feststellen, dass sie ganz sicher vieles richtig gemacht hat. Und es darf bezweifelt werden, dass die Professionalisierung des Unternehmens ohne ihre Expertise überhaupt möglich gewesen wäre.

Was ich aber wirklich, wirklich bewundere – Sandbergs Engagement für Frauen in Führungspositionen war kein Lippenbekenntnis.

Sie kannte all die Hindernisse, hat sie klar benannt, öffentlich gemacht und damit nachweislich sehr viele Frauen im eigenen Umkreis gefördert und ermutigt. Diese Tatsache wiederum betitelt der Autor des Artikels als „Tragik“, wo sie für ihn scheinbar schon den Anspruch auf all ihrer Errungenschaften in Bezug auf das Thema Female Empowerment verloren hat. An dieser Stelle möchte ich betonen, dass ihr Buch ‚Lean In‘ absolut inspirierend ist und bis heute nichts an Aktualität verloren hat. Ich bezweifle sehr, dass der Autor des Artikels dieses Buch tatsächlich gelesen hat.

Sandberg hat sicher großen Anteil am Erfolg von Meta und sie hat dabei ganz sicher auch strittige Entscheidungen getroffen. So wie es jeder Top-Manager im Laufe seiner Karriere tut. Es gibt also gar keinen Grund ihren Rückzug als ‚Scheitern‘ zu bezeichnen. Sie tut das, was Top-ManagerInnen eben hin und wieder machen; sie wechselt den Job oder orientiert sich neu.

Vielleicht wollte Sandberg die Zuckerberg‘sche Vision ja auch einfach nicht mehr mittragen und verzichtet auf eine ‚Schlammschlacht‘, die sie im Falle öffentlicher Kritik zweifelsohne losgetreten hätte.

Der Spiegel-Artikel zeigt einmal mehr, dass wir diesen Haltungsjournalismus unbedingt überwinden müssen, wenn es uns mit Frauen in Führungspositionen wirklich ernst ist. Zum Glück gibt es Alternativen. Der Artikel im Handelsblatt hat zum Abschied von Sheryl Sandberg war einer erfolgreichen Spitzenmanagerin würdig.

All the best Sheryl Sandberg.


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